Mit einer großangelegten Medienkampagne verkündete das Karrierenetzwerk XING am 08.01. die Übernahme des Arbeitgeberbewertungsportals kununu. Die Szene horchte auf und bewertete die strategischen Überlegungen von XING zum Ausbau seiner Marktposition.

Auch in den sozialen Medien vernahm man ein geteiltes Echo. So attestierten zahlreiche Nutzer auf der Facebookseite von KarriereSPIEGEL dem Zusammenschluss wenige Erfolgsaussichten, da sich kununu trotz guter Platzierung im Markt nur langsam entwickele und viele große Firmen nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Bewertungen vorweisen können. In teilweise recht emotionalen Diskussionen wurden derweil auf Facebook allerlei Vermutung und Behauptungen aufgestellt, die von Bewertenden als “frustrierte Giftzwerge mit viel Tagesfreizeit” sprechen, oder dass man (bzw. in diesem Fall “Frau”) konkrete Beweise für gefälschte positive Arbeitgeberbewertungen habe.

Bereits morgens bei meinem ersten Check der E-Mails auf dem Smartphone sind sie da: E-Mails mit Werbebotschaften. Teilweise bleiben diese brav im Spam-Filter hängen. Insbesondere, wenn asiatische Firmen mir mal wieder großzügig anbieten, Geld zu überweisen, wenn ich ihnen meine Kontonummer zurück maile.

Manche E-Mails schaffen es in mein Blickfeld. So kann ich 500 zusätzliche Payback Punkte erhalten, wenn ich das Ultrasuperplus-Shampoo der Firma Wonderhair jetzt teste. Das helfe gegen die 75 Probleme, die meine Haare haben (vom Kalkschleier bis hin zur fehlenden Spannkraft, mangelnder Elastizität, mattem Glanz, laber laber).

Auch die schnell überflogene Facebook-Timeline hat sich bereits vor der Abfahrt zur Arbeit mit allerlei gesponserten Meldungen und Empfehlungen gefüllt. Dort bietet man mir an, in alternative Energien zu investieren. Immerhin sei der Wertzuwachs dort in einer zweistelligen prozentualen Größenordnung, bei der ich mir früher als Jurastudent gewünscht hätte, diese Punktzahl stünde auf einer meiner Probeklausuren als Bewertung.

Der Begriff “Employer branding” geistert seit geraumer Zeit durch die Presse. Es heißt, dass jedes Unternehmen durch den vielberichteten Fachkräftemangel gezwungen sei, eine sogenannte “Arbeitgebermarke” (das ist die deutsche Übersetzung) aufzubauen.

Aha. Und ist das jetzt etwas Neues? Nö.

Genaugenommen musste schon früher jedes Unternehmen Bewerbern sagen können, warum er gerade bei dieser Firma arbeiten sollte. Und trotzdem fangen genau hier die Schwierigkeiten der Unternehmen an.